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  • kerstin plank

Die Kunst des Pranayama

Bei Pranayama handelt es sich um eine Reihe von Atemtechniken, die dazu dienen, das Prana, die Lebensenergie, im Körper zu lenken und zu kontrollieren. Wörtlich übersetzt bedeutet Pranayama (Prana = Atem; ayam = kontrollieren oder regulieren) genau das: Atemkontrolle. Durch bewusstes Atmen können wir unseren Geist beruhigen, Stress abbauen und eine tiefere Verbindung zu uns selbst herstellen. In diesem Artikel werden wir einige der grundlegenden Pranayama-Techniken erkunden.


 

1. Ujjayi: Der siegreiche Atem

Ujjayi, auch bekannt als der „siegreiche Atem“, ist eine der grundlegenden und wohl beliebtesten Atemtechniken im Yoga. Bei dieser Technik wird der Atem so durch den Rachen geführt, dass in der Kehle ein sanftes Rauschen entsteht, ähnlich dem Klang des Meeres. Um Ujjayi zu praktizieren, atme tief durch die Nase ein und aus, wobei der Atem durch den hinteren Rachenraum geführt wird, während der Kehlkopf leicht zusammengezogen wird. Bei dieser Technik soll möglichst viel Prana in die Lungen befördert werden.


Diese Technik hilft, den Geist zu beruhigen und die Konzentration zu verbessern. Sie fördert auch die Sauerstoffzufuhr in den Körper und kann helfen, Verspannungen zu lösen. Ujjayi ist besonders nützlich während der Asana-Praxis, da sie dazu beiträgt, eine innere Ruhe und Stabilität zu schaffen. Deshalb wird diese Atemtechnik vermehrt bei körperlich anstrengenden Yoga-Stilen wie Ashtanga, Power Yoga und Jivamukti Yoga eingesetzt. Mit einer Ujjayi-Atmung wirst du auch bei schwierigen Asanas “siegreich” sein.


2. Brahmari: Die Hummelatmung

Brahmari, auch bekannt als der „summende Atem“, ist eine Pranayama-Technik, die aufgrund ihres beruhigenden Effekts oft als “Hummelatmung“ bezeichnet wird. Um Brahmari zu praktizieren, schließe sanft die Augen und die Ohren mit den Fingern und atme tief durch die Nase ein. Die richtige Handhaltung ist dabei das sogenannte “Shanmukti Mudra”. Beim Ausatmen erzeugst du einen summenden Klang, indem du den Atem durch die Nasenlöcher ausströmst und gleichzeitig summt.


Brahmari hilft, den Körper und Geist zu beruhigen und Stress abzubauen. Die Hummelatmung kann auch dazu beitragen, die Atemwege zu öffnen und den Schlaf zu verbessern. Diese Technik ist besonders wirksam, wenn sie vor dem Zubettgehen praktiziert wird, um den Geist zu beruhigen und einen erholsamen Schlaf zu fördern.


3. Sitali: Der Kühlende Atem

Sitali ist eine erfrischende Atemtechnik, die hilft, den Körper zu kühlen. Um Sitali zu praktizieren, wird die Zunge zu einem „U“ gerollt und zischend durch den Mund eingeatmet, während die Luft über die Zunge zieht. Anschließend wird der Mund wieder geschlossen und durch die Nase ausgeatmet.


Diese Technik ist besonders nützlich während der heißen Sommermonate oder nach einer anstrengenden körperlichen Aktivität, um den Körper abzukühlen und die Körpertemperatur zu regulieren. Sie kann auch dazu beitragen, Ärger und Frustration abzubauen und eine allgemeine Entspannung zu fördern.


4. Kapalabhati: Die Feueratmung

Kapalabhati, auch bekannt als die „Feueratmung“, ist eine kraftvolle Atemtechnik, die dazu dient, den Geist zu klären und den Körper zu reinigen. Bei dieser Technik wird der Atem durch schnelle, kräftige und “schnaubende” Ausatmungen durch die Nase erzeugt, während die Einatmungen automatisiert, also passiv erfolgen.


Kapalabhati wirkt belebend und erfrischend und hilft, das Zwerchfell und die Atemmuskeln zu stärken. Es werden wichtige Stoffwechselvorgänge angeregt sowie Kreislauf und Herztätigkeit verbessert. Kapalabhati soll zudem gegen Müdigkeit und Niedergeschlagenheit helfen.


5.   Nadi Sodhana und Anuloma Viloma: Wechselatmung

Nadis stehen im Yoga für die Energiekanäle, durch die das Prana fließt, während Sodhana “Reinigung” bedeutet. Dafür wird eine Wechselatmung mit Luftanhalten durchgeführt. Der Atem wird durch abwechselndes Ein- und Ausatmen durch jeweils ein Nasenloch geführt, wodurch die Energiekanäle im Körper gereinigt werden.Die Atmung folgt einem bestimmten Rhythmus und wechselt zwischen unterschiedlich langen Phasen des Einatmens, Luftanhaltens und Ausatmens. Ein typischer Rhythmus ist 4:16:8 - also vier Sekunden links einatmen, 16 Sekunden halten und 8 Sekunden rechts ausatmen.


Im Unterschied dazu ist Anuloma Viloma  die Wechselatmung ohne Luftanhalte und beinhaltet das abwechselnde Ein- und Ausatmen durch jedes Nasenloch, wodurch wie auch beim Nadi Sodhana ein Gleichgewicht zwischen den beiden Gehirnhälften hergestellt werden soll. Anuloma Viloma ist zu Beginn der Pranayama-Praxis zugänglicher als Nadi Sodhana, da das Luftanhalten bei manchen Menschen Unwohlsein auslöst. Diese Technik hilft, Stress abzubauen, die Konzentration zu verbessern und den Geist zu beruhigen. 


 

Pranayama ist eine kraftvolle Praxis, die dazu beitragen kann, Körper und Geist zu harmonisieren und ein Gefühl von innerer Ruhe und Ausgeglichenheit zu fördern. Durch regelmäßiges Üben dieser Atemtechniken können wir unsere Gesundheit verbessern, Stress abbauen und eine tiefere Verbindung zu uns selbst herstellen. Egal ob du ein erfahrene/r Yogi oder Yogini oder Neuling bist, das Erlernen und Üben von Pranayama kann deine Yogapraxis nachhaltig vertiefen.


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